Freitag, 20. Juli 2018


Infos zum Ablauf

Reisemedizinische Impfungen und Beratung

Bei unseren Empfehlungen fuer medizinische Vorsorge auf Reisen und Reiseimpfungen ist es Ziel, den Umfang aller Massnahmen auf ein vernuenftiges Mindestmass zu beschraenken.

Auch wenn Impfungen in bestimmten Faellen sehr sinnvoll sind, so wird doch viel aus Angst und nicht immer rationalen Gruenden geimpft und manchmal auch ueberimpft.
Wenige Reisende haben genug Wissen, um das Krankheitsrisiko und das Impfrisiko selbst real einschaetzen zu koennen. Auch Tropenaerzte und reisemedizinisch fortgebildete Aerzte koennen es nicht in allen Situationen. Wir koennen nicht voraussehen, unter welchen individuellen Umstaenden Sie reisen werden. Daher werden die ueblichen Impfempfehlungen und Ratschlaege zu Impfungen von Aerzten eher umfangreicher sein, um auf der sogenannten "sicheren Seite" zu sein. Auch in Reisefuehrern werden Sie in den Kapiteln zu Impfempfehlungen, medizinischen Ratschlaegen und Beratung immer nur offizielle Standard-Informationen lesen. Kein Autor wird einen eigenen Kommentar zu medizinischen Risiken oder Impfrisiken wagen und ggf. das Weglassen einer Impfung raten.
Diese sichere Seite kann allerdings so teuer werden, dass manche Reisekasse durch die Impfungen bereits leer ist, bevor die Reise beginnt. Wir moechten Ihnen deshalb die eigene Abschaetzung fuer Sie relevanter Risiken objektiv ermoeglichen, bzw. leichter machen.
Eine gute reisemedizinische Beratung sollte nicht nur Impfungen und ihre Reiseapotheke beinhalten, sondern auch die kulturellen und landesspezifischen Eigenheiten der Region in Bezug auf Uebertragungsrisiken und die medizinische Situation zum Inhalt haben.

Impfungen, nicht nur im Kindesalter, sondern auch bei Erwachsenen, sind nach wie vor wichtigste Praeventionsmassnahmen zur Verhinderung von vielen Infektionen. Einige Imfungen haben dazu das Potenzial Krebs zu verhindern, wie Hepatitis B gegen Leberzellkrebs oder HPV gegen Krebs des Gebaermutterhalses. Dennoch sollte man vorsichtig bei der Indikationsstellung sein, denn nicht immer werden alle Versprechen der Impfstoffhersteller gehalten.
Bestimmte Impfungen sind besonders wichtig vor Reisen in bestimmte Gebiete.
Andere Impfungen wie z.B. gegen Influenza und Pneumokokken haben einen grossen Stellenwert bei Patienten mit nachlassender oder geschwaechter Immunitaet, z.B. aelteren Menschen, auch wenn sie nicht verreisen.
Neben Impfungen und Prophylaxe-Tipps, die nicht immer den Standard- Empfehlungen entsprechen muessen, sondern auf die Beduerfnisse des Einzelnen und dessen Situation eingehen, werden wir ihnen gerne auch bei der Ausarbeitung ihrer Reiseroute in Hinblick auf gesundheitliche Risiken zur Verfuegung stehen.

Die reisemedizinische Beratung und Impfungen im Detail

Obwohl wir alle Impfungen durchfuehren koennen inkl. der Gelbfieberimpfung als staatlich anerkannte Impfstelle fuer Gelbfieber, vertreten wir einen gemaessigten ganzheitlichen Standpunkt: d.h. nur das, was wirklich noetig ist und in der gegebenen Situation Sinn macht. So ist fuer uns z.B. trotz viel Werbung aus der Industrie und deren Lobby, die Hepatitis A bei Kleinkindern praktisch nie noetig und die Hepatitis B nicht bei jedem Erwachsenen. Auch raten wir noch zur Vorsicht bei neuen Impfungen wie der HPV, bei denen die Indikation immer noch streng gestellt werden sollte.
Die einzelnen Impfungen aus unserer Sicht:

  • Gelbfieber: Die Impfung wird meist nur wegen der Vorschriften in bestimmten Laendern durchgefuehrt. Gelbfieber ist dadurch eine seltene Erkrankung geworden mit Ausnahme von wenigen Gebieten Suedamerikas und Afrikas. Die Vertraeglichkeit der Gelbfieber-Impfung ist ausgezeichnet und daher kein Grund diese zu vermeiden.


  • Hepatitis B: sehr wichtig bei Jugendlichen wegen Uebertragung durch Sexualkontakt. Schwere und haeufige Erkrankung in vielen Laendern der dritten Welt. Wirksam, gut vertraeglich und zumeist sinnvoll.


  • Hepatitis A: wird zu oft geimpft, besonders bei Kleinkindern, wo die Erkrankung selten ist und selten schwer verlaeuft und keine Schaeden hinterlaesst. Erwachsene und aeltere Jugendliche sollten dagegen die Hepatitis A Impfung grosszuegiger durchfuehren lassen.


  • Typhus: angesichts der niedrigen Fallzahlen und des geringen Risikos auf ueblichen Reisen wird die Impfung gegen Typhus zu oft durchgefuehrt. Im schlimmsten Fall kann eine Typhus Erkrankung auch mit Antibiotika behandelt werden. Fazit: Haeufig nicht noetig.


  • Cholera: Seit der Einfuehrung des neuen Schluckimpfstoffes gegen Cholera hat diese Impfung an Bedeutung gewonnen, insbesondere weil sie wirksam scheint gegen einen haeufigen Erreger der Reisediarrhoe des Darmkeimes Escheria coli.


  • Japanische Enzephalitis: Diese Virusinfektion ist zwar geographisch recht ausgedehnt auf dem Land in der Naehe von Schweinen. Fazit: Nur in Ausnahmefaellen bei bestimmten Reisen bzw. Reisenden sinnvoll


  • Tollwut: Da es sich um eine absolut toedliche Erkrankung handelt, muss sie bei Reisen in gefaehrdete Gebiete ins Kalkuel gezogen werden, besonders wenn Kinder reisen, die nicht immer sagen, wann sie einen Risikokontakt hatten. Ausserdem ist bereits über Schleimkontakt eine Uebertragung moeglich und Impfungen nach Uebertragung haeufig nicht erfolgreich. Unbedingt daran denken und ggf. einplanen!


  • Tetanus, Diphterie, Keuchhusten: Diese Impfungen sollten besonders wegen der allgegenwaertigen Tetanusgefahr auch in Deutschland immer aktuell sein.


  • Masern, Mumps, Roeteln und Polio: die Impfungen, die fast ausschließlich beim Kinderarzt durchgefuehrt werden. Zunehmend empfehlenswert fuer 20-40 Jaehrige auch in Deutschland.


  • Windpocken: werden zunehmend auch, bzw. gerade im Erwachsenenalter empfohlen. Meine persoenliche Meinung angesichts dieser harmlosen Infektion ist zurueckhaltend bzgl. dieser Impfung.


  • Humanes Papillomavirus: Diese Impfung macht bei jungen Frauen ohne Geschlechtsverkehrserfahrung voellig Sinn. Diese sollte den Frauenaerzten vorbehalten sein (nur selten auch im Rahmen einer reisemedizinischen Beratung als Ergaenzung). Der langfristige Nutzen dieser Impfung als Krebsimpfung wird sich jedoch erst in Jahren richtig zeigen, vorerst bin ich noch abwartend.


  • Pneumokokkenimpfung und Influenzaimpfung: Auf jeden Fall fuer Risikogruppen auch unabhaengig von Jahreszeiten im internationalen Reiseverkehr indiziert und viel zu selten durchgefuehrt. Der Schutz gegen Grippe muss nicht auf das folgende Jahr beschraenkt sein. Erst regelmaessig ueber Jahre wiederholt geimpft, bringt die Grippeimpfung einen eher generellen Influenzaschutz mit sich, da die verschiedenen Subtypen and Antigene gewisse Kreuzimmunitaet vermitteln. Darueber hinaus zeigt eine große englische Studie 2009 u.a. eine Senkung der Herzinfarktrate um 20-35% bei 30-50 Jährigen, eine Halbierung der Krankheitsrate und eine vollständige Vermeidung von Todesfaellen durch Influenza.


  • FSME und Meningokokkenimpfung: Die Meningokokkeninfektion als oft toedliche Erkrankung bei jungen Menschen, ist eine der wichtigen Empfehlungen nicht nur bei Reisen in exotische Laender, selbst in England ist die Rate doppelt so hoch wie bei uns. FSME dagegen ist nur bei entsprechendem Risiko in bestimmten Gebieten in Sueddeutschland und den suedoestlichen Nachbarn erforderlich.


  • Preise und Erstattung fuer Impfungen (Wer zahlt Impfungen und Prophylaxe?), Impfschema und Schutzdauer

    Die meisten Impfungen und auch Malariaprophylaxe werden von den meisten gesetzlichen Krankenkassen teilweise oder sogar komplett erstattet. Bei den Materialkosten fuer Impfstoffe sind dies in der Regel zwischen 70-90 %. Wir stellen unsere Rechnung für die jeweilige Versicherung so aus, dass Ihre Erstattung das Maximum betraegt. Bei uns koennen Sie die Erstattungssaetze ihrer Versicherung erfahren. Zudem orientieren sich unsere Impfstoffpreise an den guenstigsten Apothekenpreisen. Manche Krankenkassen uebernehmen 100 % der Kosten für alle Impfungen, die von der Staendigen Impfkommission als sinnvoll empfohlen werden. Wir geben allerdings keine Garantie fuer die Kostenerstattung durch ihre Krankenkasse. Sie erhalten von uns eine Rechnung nach GOAE, Gebuehrenordnung für Aerzte bzgl. der aerztlichen Leistungen und wir berechnen die aktuellen Apothekenpreise für die Impfstoffe ohne Aufschlaege. Es liegt an ihnen, die Erstattung von ihre Kasse zu erhalten, da Verhandlungssache und tarifabhaengig. Wir beraten Sie dazu gerne. Da wir die Impfstoffe vorhalten, erwarten wir eine entsprechend zeitnahe Erstattung, spaetestens beim zweiten Impftermin in unserer Praxis.






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